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am 25. Juli

Unterwegs mit dem Wanderkino - und mit Jacqueline!

Thomas Vavrinek - Seit 2006 dabei, schafft es Breitenfurt immer wieder, Filme zu zeigen, deren Titel nicht mit dem tatsächlichen Inhalt übereinstimmen. „Match Point (2007) handelte nicht von einem Grand-Slam-Turnier, „Die Herbstzeitlosen“ (2008) handelte nicht von Botanik, und „We Want Sex“ (2011) war kein Porno-Film. Auch diesmal darf man sich bei „Unterwegs mit Jacqueline“ kein Road Movie erwarten.

Jacqueline ist eine Kuh. Aber was für eine! Die schönste Kuh der Welt. Zumindest für den Bauern Fatah, der in einem kleinen Dorf in Algerien mit Frau und zwei Töchtern ein bescheidenes, aber durchaus zufriedenes Leben führt. Wäre da nicht Jacqueline, für die Fatah endlich, nach mehreren vergeblichen Versuchen eine Einladung nach Paris erhält, um Jacqueline auf der Landwirtschaftsmesse nicht nur zu präsentieren, sondern auch an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen zu lassen. „Cherchez la vache!“ sozusagen...

Fatah ist außer sich vor Freude, aber bettelarm und hat daher kein Geld für die Reise. Das darf nicht sein, und die Dorfgemeinschaft kratzt alles Geld zusammen, was letztlich nur für die Überfahrt Fatah plus Jacqueline übers Mittelmeer nach Marseille reicht. Kein Problem für Fatah, den Rest bis Paris könne er ja mit Jacqueline bequem zu Fuß zurücklegen.

Fingen die Schwierigkeiten nicht bereits in Marseille an: Fatahs Schwager, der dort wohnt und hilfreich zur Seite stehen sollte, taucht nicht auf. Fatah lässt sich aber nicht entmutigen und macht sich eben allein und ohne Hilfe auf den weiten Weg nach Paris. Noch hat er genügend Zeit, um rechtzeitig den Termin für den Kuh-Wettbewerb auf der Landwirtschaftsmesse zu schaffen ...

Wenn dies reibungslos und ohne Schwierigkeiten ginge, wäre daraus kein Film geworden. Keine lustige und auch ergreifende Geschichte über Freundschaft, Menschlichkeit und die Verwirklichung von Träumen.

„Einen Film über eine Reise quer durch Frankreich zu drehen, ging mir schon lange im Kopf herum“, betont der Regisseur Mohamed Hamidi. „Dann erzählte mir eines Tages Fatsah (Boujahmed, der Hauptdarsteller), den ich seit zehn Jahren kenne, von einem seiner Onkel, der sich für Agronomie interessierte und regelmäßig nach der Pariser Landwirtschaftsmesse fragte, die er gerne einmal besucht hätte. Das war dann der Ausgangspunkt ... Leicht aber war es nicht, die Story bei Produzenten durchzuboxen. Wenn ein unbekannter Araber mit einer Kuh durch Frankreich zieht, herrschte erst mal Skepsis, und dann war viel Überzeugungsarbeit notwendig.“

„Die Suche nach der Hauptdarstellerin war nicht einfach. Wir brauchten drei identisch aussehende Kühe. Eine für die Szenen, die in Algerien spielen (gedreht wurde allerdings in Marokko), eine für Frankreich, da wir keine französische Kuh nach Marokko verschiffen wollten, und dazu noch ein Double, für alle Fälle.“
Den Namen der Kuh fand Fatsah Bouyahmed: „Als mich in meiner Jugend Mädchen aus Frankreich anriefen, gab’s noch keine Handys, und sie riefen daher am Festnetz meiner Eltern an. Die konnten sich die Namen der Mädchen nicht merken, daher sagten sie immer „Da ist schon wieder eine Jacqueline am Apparat!“ Sollte heißen: „Schon wieder so eine Französin!“ Als noch kein Name für unsere Kuh gefunden wurde, schlug ich „Jacqueline“ vor ...“