gruene.at
Navigation:
am 6. April

Recherchen zum Frauenwald

- Recherchen zum Frauenwald von Klaus Wechselberger (Umweltinitiative Wienerwald)

Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister!

Sehr geehrter (gf.) GemeinderätInnen! Sehr geehrte GemeinderätInnen!

Der Breitenfurter Frauenwald wird aus forstlicher Sicht unterschiedlich betrachtet. Die 2019 begonnenen und nun fortgesetzten Abholzungen geben aber Anlass zur Sorge. Daher wird folgende Zusammenstellung als Diskussionsgrundlage und sachlichen Behandlung im Gemeinderat an Sie weitergeleitet.

Fortgesetzte Abholzungen im Frauenwald: Ergebnis Informelle Begehung am 2.2.2021 um 14 Uhr
​Zu dem sehr kurzfristig vorgeschlagenen Lokalaugenschein traf sich eine kleine Gruppe von AnrainerInnen (unter Einhaltung der Coronaregeln), Frau Evelyn Mayerhofer als politische Vertreterin der Breitenfurter Grünen, Klaus Wechselberger, Oliver Authrid-Gruber (beide Umweltinitiative Wienerwald) und hat sich am Dienstag, den 2.2.2021 einen Überblick über die forstlichen Eingriffe im Frauenwald gemacht. Eine Interessensbekundung gab es von Mag. Edith Kollermann, NEOS. Keine Rückmeldung kam von ÖVP und SPÖ. Die flächige Abholzung schockierte doch alle. Nach bisherigen Informationen wurde diese Abholzungsform aus rein praktischen Gründen durchgeführt. Aufgrund einiger bruchgefährdeter Pappeln wurden der Einfachheit halber gleich alle Bäume – darunter zahlreiche Hainbuchen und mehrere Traubeneichen umgeschnitten. Bei den im Frauenwald vorkommenen Pappeln (wahrscheinlich Hybridpappeln) gab es den Hinweis auf Samenanflug aus einer ehemaligen Gärtnerei in der Nähe vor über 50 Jahren. Ein Teil dieser dünnstämmig gewachsenen Pappeln (ursprüngliche Walddichte) war stammbruchgefährdet. Dies wurde gleich zum Anlass für einen größeren, aber nicht bewilligungspflichtigen Holzeinschlag von unter 1 ha. Dieser wird in dieser Form von KritikerInnen in Frage gestellt. Eine Abwägung zwischen Wirtschaftlichkeit und sonstiger Funktion eines Waldes gehört zur aktuellen Klimadiskussion.

​Die zwar von der Hirschentanzstraße großteils durch letzte Baumreihen noch abgegrenzte Rodungsfläche ist lt. Forstgesetz zwar gedeckt, aber ökologisch fragwürdig:

Direkter lokaler Klima(kühl)effekt geht unmittelbar für längere Zeit verloren (Vgl. Durchforstung/flächige Rodung)
Wasserrückhaltevermögen wird für die nächsten mindestens 10-15 Jahren verschlechtert (bis Aufkommen von Nachpflanzungen)
CO² Umwandlung durch Fotosynthese (Sauerstoffproduktion) entfällt (je größer die Entwaldungsfläche, desto höher der negative Verstärkereffekt)
lange Zeit keine merkbare Luft-Kohlenstoff Bindung Form von Holzumwandlung (abhängig von jährlichem Zuwachsvermögen natürlich wachsender oder gepflanzter Bäume)
Auswirkungen auf Amphibien (Feuersalamander, zu erhebende Froscharten) sollten untersucht werden (einerseits plötzlicher Wegfall aller Schattenbäume, Veränderung des Bodenklimas durch Offenfläche, dichte Bepflanzung direkt in mögliche Ablaichtümpel und Bachbereich)
Verlust von Artenvielfalt im Bodehäufige Bodenbelastung (Bodenverdichtung durch Flächenbefahrung). Im Vergleich zu anderen Waldböden konnte im Frauenwald bei der Neupflanzungsfläche ein geringere Artenvielfalt bei Mikroorganismen im Boden festgestellt werden). Daher wäre es ganz wichtig, dass sich mehrere ökologische Naturwaldbereiche im Frauenwald bilden können.
Verlust von Vogelnistplätzen verschiedener Vogelarten (die Ausweichbäume wurden bereits nach der Abholzung 2019 weniger)

Holzverwertung gegenüber ökologischer Bedeutung nach Baumart:
Pappeln sind keine nutzlosen Bäume, denn sie bieten mit ihrer Ausblüte Wildbienen Pollen und Nahrung lt. Dr. Karl Mazzucco, Wildbienenexperte. Das ergiebige Blattwerk, mit großer Blattoberfläche, gibt hohen Kühleffekt und kann auch eine „Sturmbremse" sein. In freier Natur können Pappeln je nach Art zwischen 100 bis 300 Jahre alt werden. Sie sind eine der am schnellsten wachsenden Bäume bei uns (1 Meter pro Jahr). „Abwerfen" von abgestorbenen Äste gehört im Laufe ihres Lebens dazu. Auf witterungsbedingte Bruchgefahr ist im Wege- und Straßenbereich zu achten (hier Fällungsempfehlung für 50-60 jährige Exemplare). Der Brennwert der Pappel wird als gering angegeben.

Auch die verschiedenen Eichenarten sind gute „Klimabäume" und sind mit zunehmendem Alter (etwa Stieleiche mit über 800 Jahren!) und besonders wertvoll als Lebensraum für Insekten, Vögel, Kleinsäuger wie z.B. Fledermäuse (Großer Abendsegler). Übrigens behalten auch bereits hohle Eichen meist noch lange ihre Standfestigkeit. Eichenholz ist hochwertiges Holz für Möbel- und Hausbau und eigentlich zu schade für die Verbrennung.

Wünschenswert wäre eine Durchforstung oder maßvollere Auslichtung zur Brennholzgewinnung gewesen.

Eine Kosten-Nutzen-Aufstellung der durchgeführten Maßnahmen wären sicher sinnvoll (Fällungskosten, Transportaufwand, Nachpflanzungen, Vergleich Hackschnitzelankauf am freien Holzmarkt, etc.)

Bemerkungen zu den Nachpflanzungen:

Aus Sicht der Forstwirtschaft mit Blick auf einen hohen Ertrag mit hiebreifen Bäumen oft erst in 70 bis 80 Jahren werden Nachpflanzungen oft sehr dicht durchgeführt. Es wird wohl ein gewisser Verlust durch Vertrocknung, Bruch oder Wildverbiss einkalkuliert. Die bereits durchgeführten Nachpflanzungen kleiner Eichen, Bergahorne und Elsbeeren wurden aber auch direkt am Bachverlauf – Standorte für Schwarz- oder Grauerle – praktisch im Bachbett angepflanzt. Auch auf hier befindliche (temporäre) Wasserbiotope wurde keine Rücksicht genommen. Solcherart wurde kein „Wald" nachgepflanzt, sondern eine Baumplantage mit Aussicht auf dünnstämmige Bäume mit zurückhaltenden Kronen aus Platzgründen. Ob diese Pflanzungen insgesamt den Wunsch nach einem Stück Naturwald – mit hoher Diversität, Gesundheitseffekt und hohem Erholungswert – erfüllen werden bleibt abzuwarten. Es würde jedenfalls eine entsprechende Waldpflege (rechtzeitige Herausnahme von zu dicht stehende Bäumen) erfordern. Auch könnte überlegt werden einige (Weiss)Tannen(Albies alba) zusätzlich zu pflanzen zur Bereicherung und beliebten Anziehungspunkt für die zurzeit verstörten Rehe (wobei Jungtannen mit eigener Verbißsicherung versehen werden müssten). Zwangsläufig muss auch der durch die Abwasserkanalführung entstandene Hauptweg möglichst links und rechts baumfrei erhalten bleiben (Durchwurzelungsgefahr). Wegbegleitende Sträucher wie Haselnuss (Corylus avellana))oder Kornellkirsche (Cornus mas) wären wahrscheinlich möglich und würden ein Fruchtangebot für Menschen und Tiere geben.

Frauenwald und verstärkter Brennholzbedarf
Bei weiteren Forsteingriffen aufgrund Verbrennungsholzbedarf wie bisher, ist es eine Frage von ein paar Jahren bis der Frauenwald nur mehr wenig Schatten bieten wird und die Randbäume verstärkt Windwurf gefährdet sind. Die Gesamtabholzung des Frauenwaldes im derzeitigen Tempo ist rechnerisch absehbar (jährlich 0,5 ha).

Wenn nun aber die Brennholzgewinnung bei der Gemeinde-Forstwirtschaft im Vordergrund steht, wird es erforderlich sein zusätzliche alternative Flächen zur Aufforstung für reinen Wirtschaftswald zu finden.

Mit freundlichen Grüßen,
Klaus Wechselberger
Umweltinitiative Wienerwald