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am 26. Jänner 2016

Doris Eisenriegler polarisiert

Doris Eisenriegler, Gaby Raß-Hubinek - Als ehemalige dritte Präsidentin des oberösterreichischen Landtages und jetzt auch Gemeinderätin in Breitenfurt stellt sie fest: „Breitenfurt ist anders“ (Brennnessel Heft 64). Bei Ehrungen enthält sie sich als Einzige der Stimme. Ja, darf sie das?

BRENNNESSEL: Doris, du bist in Oberösterreich und nun auch in Breitenfurt politisch tätig. Es gibt Stimmen, die behaupten, du bist gar keine Breitenfurterin. Ist das richtig? 

Doris Eisenriegler: Ich bin seit 65 Jahren mit Breitenfurt-Hochroterd verbunden. Meine Großeltern haben sich Ende der 1940er Jahre dort angesiedelt, und ich durfte eine glückliche Jugend inmitten einer intakten Natur erleben. Mein Großvater hat mir schon früh viel Wissen über ökologische Zusammenhänge beigebracht und meine Leidenschaft für den Wienerwald geweckt. Das hat mich sicher längerfristig auch zu meinem Engagement für die Grünen geführt. Mitte der 1970er Jahre bin ich mit meiner Familie aus beruflichen Gründen nach Oberösterreich übersiedelt. Meine Wurzeln in Breitenfurt sind aber geblieben und seit ca. 10 Jahren bewohne ich das Haus meiner Großeltern und bewirtschafte den großen Naturgarten, was mir sehr viel Freude macht und den Ausgleich zur politischen Arbeit schafft! 

BRENNNESSEL: Deine Stimmenthaltung bei der Abstimmung über Ehrungen im Gemeinderat hat für Aufsehen und so manche Interpretation gesorgt. Was hast du dir dabei gedacht? 

Doris Eisenriegler: Ich halte ehrenamtliche Arbeit – ob in der Politik, ob im Sport oder in der Sozialarbeit, für wichtig und sinnstiftend! Ich weiß das freiwillige Engagement jedes Einzelnen, so wie auch außerordentliche Leistungen im Beruf sehr zu schätzen. Die Ehre ist ja schon im Wort „ehrenamtlich“ enthalten. Ehrungen im Gemeinderat sind aber ein parteipolitisches Ritual, gelten meist ausgeschiedenen Politikern und sind als solches für mich entbehrlich. Ich werde mich deshalb auch künftig aus Prinzip dabei der Stimme im Gemeinderat enthalten! Es tut mir leid, wenn durch mein Stimmverhalten der Eindruck entstanden ist, ich würde den Einsatz der Feuerwehr-Kameraden gering schätzen. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen, mich für deren Arbeit ausdrücklich und herzlich zu bedanken! 

BRENNNESSEL: Was möchtest du für Breitenfurt erreichen? 

Doris Eisenriegler: Breitenfurt ist Biosphärenpark-Gemeinde. Wir haben im Wienerwald eine außerordentliche und einzigartige Artenvielfalt. Diese gilt es zu bewahren. Die Natur hat keine Lobby, ihr Wert lässt sich nur schwer in Geld ausdrücken. Umso wichtiger ist es, wenn wir Grüne ihr eine Stimme geben und achtsam mit den uns anvertrauten Schätzen umgehen. In der kurzen Zeit meiner Tätigkeit im Gemeinderat habe ich mich bereits dafür eingesetzt, dass die ökologisch wertvollen alten Straßenbäume, welche ein stiefväterliches Dasein fristen und einer nach dem anderen der Motorsäge zum Opfer fallen, gepflegt und erhalten werden. Umgeschnitten ist so ein Baumriese in wenigen Minuten. Zum Wachsen braucht er viele Jahrzehnte, mitunter Jahrhunderte! Ein weiterer Schwerpunkt meiner bisherigen Arbeit ist die Lärmbekämpfung im Gemeindegebiet – vor allem durch den motorisierten Verkehr! Ich möchte auch die jüngsten Initiativen zur Aufnahme von Flüchtlingen in unserer Gemeinde tatkräftig unterstützen. Ich will meinen Enkelkindern später einmal ins Gesicht sehen können, wenn Sie mich fragen „Was hast Du getan, um Menschen die um Hilfe baten, Schutz und Sicherheit zu geben?“

Doris Eisenriegler, 1945 in Steyr geboren, wuchs in Wien auf, wo sie auch an der HAK I maturierte. Sie studierte Volkswirtschaftslehre und war Sekretärin am soziologischen Institut der Universität Wien. Sie war Gründungsmitglied der Alternativen Liste Österreich (1982) und von 1983 bis 1985 deren Bundes - sprecherin. 1997 bis 2009 war sie Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag, von 2003 bis 2009 dessen Dritte Präsidentin. Seit 1985 Gemeinderätin und Fraktionsobfrau in Wilhering (OÖ), seit 2015 Gemeinderätin in Breitenfurt.