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am 24. Februar

Kalksburger Torbogen unfreiwillig wieder in den Ursprungszustand versetzt!

Thomas Steigberger - Fährt man derzeit mit Auto oder Bus zwischen Liesing und Breitenfurt, hat man meist viel Gelegenheit, die prachtvollen Bauten von Kalksburg zu sehen. Durch einen Unfall wurde leider der markante Torbogen derart ramponiert, dass nun wie einst nur ein Bogen durchfahren werden kann. Für viele ein großes Ärgernis, aber wie hat sich das pittoreske Aussehen von Kalksburg überhaupt ergeben?

Symbolträchtig: nur ein Torbogen Ende der 1920er-Jahre geöffnet, mit Schild „Langsam fahren oder Strafe“, von der heutigen Stelle der Sonderprüfung „Höhen- und Seitenkontrolle“ aus gesehen.

Schon in der Römerzeit führte ein Weg durch Kalksburg, damalige Hauptverbindung war damals allerdings die heutige Klause nach Mauer. Um 900 n.Chr. drangen Reitervölker der Magyaren über dieses Gebiet bis Bayern vor und konnten erst ab 955 n.Chr. wieder zurückgedrängt werden. Die älteste urkundliche Erwähnung findet sich 1188 n.Chr., Graf Gebhard von Sulzbach wird dabei als Herrschaft über die „Chalbsberger“ genannt. Es kann allerdings bis heute nicht eindeutig geklärt werden, ob der Begriff „Chalb“ von Kalk oder Kalb stammt. Um vor weiteren Einfällen geschützt zu sein, wurden etliche Burganlagen an strategisch wichtigen Punkten errichtet, so auch auf dem Venusberg in Kalksburg. Die erhöhte Lage bot einen hervorragenden Überblick über das Gütenbachtal, über das Liesingtal weit in den Südosten sowie über die damals wichtigste Verkehrsverbindung, über die Klause. Urkundlich gesichert gilt die vermutlich schon früher errichtete Burg jedenfalls ab 1327 n.Chr. Über 100 Jahre später wurde sie allerdings von marodierenden Söldnerheeren besetzt, die die Gegend in Angst und Schrecken versetzten, bis eine Bürgerwehr im Juli 1463 mit der völligen Zerstörung der damaligen „Calsburg“ dem Treiben ein Ende setzte. Heute sind von dieser einstigen Burg nur noch einzelne behauene Steine zu sehen.

Von den Römern über die „Calsburg“ bis zu den Jesuiten

Ärmliche Verhältnisse bestimmten fortan das Geschehen. Ab 1609 fiel der Ort unter die Herrschaft des Jesuiten-Ordens, deren Brüder nebst der Land- und Forstwirtschaft und Viehzucht auch den Naherholungswert zu schätzen lernten. Sie bauten an der Stelle der heutigen Pfarrkirche ein kleines Gotteshaus, welches samt der anderen spärlichen Ansiedelungen 1683 im Zuge der Türkenbelagerung zerstört wurde. Wenige Jahre später konnten die Jesuiten eine neue Kirche errichten und setzten ihre Tätigkeiten in „Kalchsburg“ fort.

Mitte des 18. Jhdts. entdeckte auch die Kaiserfamilie die Schönheiten dieser Wienerwaldregion, nachdem sie immer wieder bei Carolina Fürstin von Trautson, einer Hofdame von Maria Theresia, zu Gast war. Die Fürstin hatte eine bestehende Liegenschaft am Gelände des heutigen Kollegiums zu einem barocken Landsitz umbauen lassen und nannte diesen gesellschaftlichen Treffpunkt „Mon Perou“.

Zur gleichen Zeit hatte sich der am 1. Jänner 1730 in Wien geborene Franz Mack mit viel Fleiß zum Hof- und Kammerjuwelier emporgearbeitet. Er genoss das volle Vertrauen von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz I., und begleitete später auch deren Sohn, Josef II, bei einigen Auslandsreisen. Nachdem der Jesuitenorden 1773 verboten wurde, ging die Grundherrschaft über Kalksburg an die k.k.Staatsgüterdirektion über. Der wohlhabende Franz Mack - mittlerweile besaß er schon mehrere Häuser in Wien - und seine Familie siedelten sich ab den 1780er-Jahren in Kalksburg an. Mack übernahm „Mon Perou“, kümmerte sich um den Ausbau der Verkehrswege, übernahm die Erhaltung einer bereits bestehenden Schule in der heutigen Mackgasse und errichtete 1787 das bekannte Steinhaus am heutigen Promenadeweg. Besonders aufwendig gestaltete er den Garten rund um „Mon Perou“ im englischen Stil.


Franz Edler von Mack (1730-1807)

Eigentlich könnte es heute auch Macksburg heißen!

1790 kaufte Franz Mack die Grundherrschaft über Kalksburg und er selbst wurde 1791 in den Adelsstand erhoben. Seine Verbundenheit zum Kaiserhaus drückte er auch mit zahlreichen Denkmälern aus, die er aufstellen ließ. So errichtete er auch zwei Gedenkstätten für Töchter der Maria Theresia. Und einmal im Jahr ließ Franz Edler von Mack, wie er nun genannt wurde, ein großes Fest zu Ehren der Kaiserkrönung in seinem großzügigen Park ausrichten. Bis zu 1.000 Gäste bewirtete er dabei und half selbst auch in Bauerntracht mit, während drei Kapellen das Geschehen musikalisch untermalten.

Seine Wohltätigkeit und sein großzügiger Umgang mit Geld sorgten schon bald für vermehrte Ansiedelungen in „Kalchsburg“. Die alte Kirche wurde zu klein, Mack riss sie 1793 ab und ließ an ihrer Stelle die heutige Pfarrkirche errichten, welche 1801 eingeweiht wurde. Um 1800 baute er auch das „Mack-Schloss“, die heutige Caritas-Socialis-Pflegeeinrichtung.

Der Torbogen ist wohl das, was man als AutofahrerIn am meisten wahrnimmt.

1807 starb Franz Edler von Mack, der mit seiner großzügigen und umgänglichen Art über alle Maßen geschätzt und beliebt war. Zu seinem Andenken gibt es heute noch die Mackgasse, die die Pfarrkirche mit „Mon Perou“ verbindet. Mit all seinem Schaffen gab er Kalksburg jenes imposante Antlitz, das den Charakter des Ortes heute noch eindrucksvoll prägt. Doch nicht ganz, denn jener Torbogen, der heute unser Leben sogar geradezu mitbestimmt, wurde erst später errichtet! Aber der Apfel fiel nicht weit vom Stamm: Valentin Mack, einer seiner Söhne, ließ um 1820 (also bald 200. Geburtstag!) den charakteristischen Schwibbogen als Verbindung vom Mack-Schloss zur Kirche bauen. Ursprünglich war so wie heute auch nur ein Torbogen für die Durchfahrt freigegeben. Erst in den frühen 1960er-Jahren wurde der zweite Bogen, genau jener, der nun aufgrund der Beschädigungen gesperrt ist, für den Verkehr geöffnet.

Quellen:

  • - „Die Burg auf dem Kalkberg“, Heimatkundliche Beilage der BH Mödling, Ausgabe 3/2009, Autor: Hans Steiner
  • - „Liesing“ von Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll, ISBN: 978-3-9503739-3-6
  • - „Liesing 1683“ von Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll, ISBN: 978-3-200-02557-8
  • - „Liesing in alten Fotografien“, Ueberreuter, ISBN: 978-3-8000-7336-8
  • - „Franz Edler von Mack“, David Silvester Mayer von Rosenau, 1904
  • - Diverse Internetseiten

Siehe auch: