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am 12. November

Bundesbahnblues in Breitenfurt

Thomas Steigberger - „Is she in Breitenfurt, Klagenfurt, in Gurgl or in Fuschl or in Graz…“ sang einst Helmut Qualtinger im Bundesbahnblues. Aber wie sollte er mit der Bahn nach Breitenfurt kommen? Vielleicht wusste der Komponist und Texter des Bundesbahnblues, der Wahlbreitenfurter Gerhard Bronner, dass tatsächlich zumindest beinahe eine Flügelbahn von Liesing weg nach Breitenfurt und Laab errichtet worden wäre.

Tatsächlicher Hintergrund dieses Liedes war jedenfalls eine Tournee von Louis Armstrong, die ihn 1956 durch Österreich führte. Damals war es üblich, dass Stars bei solchen Reisen mit der Bahn unterwegs waren. Dabei begab es sich, dass eine Begleiterin von „Satchmo“ auf einem Bahnhof einer kleineren österreichischen Ortschaft abhandengekommen sein soll, woraufhin sie der Entertainer verzweifelt am Bahnsteig suchte.

Beinahe hätte diese Anekdote auch in Breitenfurt stattfinden können, denn ungefähr 50 Jahre davor waren die Pläne für den Bau einer Eisenbahnlinie von Liesing nach Breitenfurt mit einer Abzweigung nach Laab im Walde schon sehr konkret. Das Eisenbahnunternehmen Leo Arnoldi reichte 1897 seine Pläne zur Errichtung ein. Leo Arnoldi hatte sich schon davor unter anderem mit dem Bau der Schneebergbahn und der Badner Bahn einen großen Namen gemacht.

Aufgrund der Geländebeschaffenheit war eine Meterspur vorgesehen. Vom Bahnhof Liesing aus sollte die Strecke anfangs parallel zum bereits vorhandenen Gleis der Brauerei Liesing und weiters unter dem Aquädukt bis zur Kreuzung der Dampftramway – der heutigen 60er-Linie - geführt werden. Für den zu erwartenden hochfrequentierten Umstieg wurde dort die erste Station projektiert. Kurz danach sollte die Bahnstrecke die Hauptstraße verlassen und entlang der Liesing nach Kalksburg führen. Bei Kilometer 2,87 war die Station Kalksburg vorgesehen. Fährt man diese Strecke heute ab, erkennt man, dass diese Station wohl im Bereich Haselbrunnerstraße gewesen wäre, ungefähr gleich weit von Rodaun und Kalksburg erreichbar. Entlang des heutigen Promenadeweges und der Liesing wäre es weiter bis zur Station „Neumühle“ gegangen, die damals nahe der Jakob-Sommerbauer-Gasse in Betrieb war. Fahrgäste hätten dort auch die Möglichkeit gehabt, dem Kalksburger Freibad einen Besuch abzustatten. Nächster Halt wäre dann schon „Rother Stadl“ gewesen, wobei dort auch die Zentrale für die elektrische Versorgung und ein Heizhaus vorgesehen waren. Kurz nach dieser Station war die Abzweigung nach Laab im Walde projektiert, wobei auf dieser Strecke nur die Endstelle, also Laab im Walde selbst, als Station geplant war. Die Hauptroute hätte vom „Rothen Stadl“ weiter zu den Stationen „Grüner Baum“, „Kloster“ und „Wiesenwirt“ bis zur Endstelle „Breitenfurth-Schlossrestauration“, dem heutigen Bereich des Augustineums, in dem der Kindergarten von Breitenfurt-West untergebracht ist, geführt.


Die Gesamtstreckenlänge hätte 14,84 Kilometer betragen, wobei 3,15 Kilometer vom Roten Stadl nach Laab, und 11,69 Kilometer von Liesing bis zur Schlossrestauration geführt hätten. Eine Weiterführung der Strecke von Laab nach Preßbaum erschien Leo Arnoldi sinnvoll, er hatte sie aber für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Für den Fuhrpark waren Triebwägen mit 36 Sitzplätzen, sowie Anhänger mit weiteren 36 Sitzplätzen, geplant.


Nach dem Einreichen zur Konzessionserteilung kam es zu Diskussionen rund um Grundbedarf und Einschnitte in bestehende Rechte. Die Mehrheit der betroffenen Gemeinden sprach sich für den elektrischen Betrieb aus, an manchen Stellen wurde zwar vehement eine Verlegung der Trasse gefordert, aber im Großen und Ganzen liefen die Verhandlungen trotzdem sehr positiv. Es wäre vermutlich zur Genehmigung und Ausführung gekommen, allerdings verstarb Leo Arnoldi überraschend im Frühjahr 1898. Seine Nachfolger hatten wenig Interesse an der Fortführung seines Unternehmens und auch andere Wiener Bauunternehmen waren nur kurz an diesem Projekt engagiert. Somit verschwanden die Pläne rund um die Eisenbahnverbindung von Liesing nach Breitenfurt und Laab im Walde relativ rasch wieder von der Bildfläche. Schade, womöglich hätte sonst auch Louis Armstrong bei seiner Tournee durch Österreich vor über 60 Jahren tatsächlich Station in Breitenfurt gemacht!